Mi

03

Jun

2015

Pferden ergeht es wie Hunden und Nutztieren

von Astrid Ebenhoch, Mai 2015

Journalistin und Gründerin von Hounds & People

 

Die Pferdehaltung ist in Deutschland nicht viel besser als die Hundehaltung oder die Haltung von Nutztieren. Pferde sind soziale intelligente Säugetiere, Herdentiere, die Sozialkontakte zu anderen Pferden und freien Auslauf auf der Koppel benötigen.

 

Die Realität der Pferdehaltung ist eher grausam. Entweder werden Pferde gezüchtet, um für viel Geld auf Auktionen verkauft zu werden, mit ihnen weiter zu züchten, mit ihnen an Turnieren teilzunehmen oder sie werden wie Nutztiere gehalten. Stehen ein Leben lang in Ställen herum, um am Wochenende als Freizeitpferd für eine Stunde in der Halle im Kreis zu laufen oder im Schulbetrieb zu gehen, wo ihnen von unerfahrenen Reitern mit den Zügeln im Maul herumgerissen wird. Was den Schülern als “am Zügel gehen”, beigebracht wird.


Bei den Reitpferdeauktionen der Zuchtverbände werden Pferde zu einem Durchschnittspreis von ca. 22.000 € verkauft.  Im Freizeitbereich konkurrieren Deutsche Großpferde mit fast allen für diese Nutzung angebotenen Pferden – also mit dem Großpferd ohne Papiere aus Polen oder dem Baltikum, oder mit gutmütigen Ponys und Kleinpferden.


Die meisten Schulpferde sind gebrochen, haben aufgegeben und landen, wenn sie krank werden, beim Abdecker oder Schlachter. Wenige Pferde haben das Glück als Freizeitpferd, gleich wie viel sie wert sind, geliebt zu werden, ein artgemässes Leben auf der Koppel zu verbringen, von ihren Besitzern regelmäßig ausgeritten zu werden und ihr natürliches Alter von 25 Jahren zu erreichen.


Im Jahr 2011 wurden laut Bundesministerum für Ernährung und Landwirtschaft auf 3.594 Turnierveranstaltungen 67.750 Prüfungen mit 1.459.828 Starts ausgetragen. Dabei wurden Geldpreise in Höhe von 30.984.265 Euro ausgezahlt.


Wohlhabende Hobbyreiter kaufen sich ein Pferd, wie einen Bio-Porsche, um in ihrer Freizeit zu reiten, an Turnieren teilzunehmen und mit ihrem Statussymbol, Pokale zu gewinnen.  Wie es den Pferden dabei geht, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass das Pferd funktioniert, um den Ehrgeiz der Besitzer zu befriedigen. Mit allen Mitteln. Junge Pferde im Alter von drei Jahren werden von Gestüten oder auf Auktionen für 20.000 und mehr Euro gekauft, die vorher ein artgemässes Leben auf der Koppel mit anderen Pferden hatten. Um anschließend in eine Box in einem Reitstall, ohne Koppel oder Kontakt zu anderen Pferden gesperrt zu werden, den man bequem und schnell mit dem Auto erreichen kann.


Wenn die jungen Pferden anschließend in den Boxen ohne Auslauf und Sozialkontakte randalieren, wird ihnen zur Beschäftigung, ähnlich wie bei Schweinen in der Mast, ein Spielzeug gehängt, mit dem es sich beschäftigen sollen. Auf die Idee, dass das Pferd unter der reizarmen und nicht artgemässen Haltung leidet, kommen solche Besitzer nicht. Die schlimmsten Verhaltensauffälligkeiten die durch eine solche Haltung entstehen können, ist das Weben. Eine stereotype Bewegung, die oft auch bei Wildtieren im Zoo oder Zirkus zu sehen ist. Die Tiere bewegen ihren Kopf monoton hin und her, oder zeigen ein starkes Kauen oder Ankauen von Holz oder anderen Gegenständen wie dies auch Prof. Dr. Paul McGreevy beschreibt. Viele Pferde stehen oft die ganze Woche in den Ställen, um am Wochenende für ein paar Runden in der Halle bewegt zu werden. Mit einem Pferd, das buckelt, weil es sich freut endlich raus zu kommen, oder wegen der reizarmen Haltung im Gelände anschließend scheut und verweigert, reiten solche Pferdebesitzer nicht gerne aus. Also bleibt das Pferd entweder im Stall stehen oder das Verhalten der Pferde wird, als vorsätzlich störrisch oder bockig interpretiert und die Tiere anschließend gefügig gemacht.


Damit ein Pferd die Erwartungen erfüllt, muss dieses so schnell als möglich das können, wofür investiert wurde und zu einem Bereiter gegeben. Im Bereich des “Luxusberittes” ist die Preisskala der Berittpreise nach oben hin offen und letztlich vom Ruf des Ausbilders abhängig. Mit den gekauften Zuchtpferden die im Pferdesport genutzt werden, können bemerkenswerte Einnahmen erzielt werden. Für die Anschaffung eines ausgebildeten Sportpferdes werden Preise in fünf- bis sechsstelliger Höhe bezahlt.


Der Bereiter soll nun dem Pferd beibringen, reibungslos, wie eine seelenlose Maschine zu funktionieren, um anschließend an Turnieren teilzunehmen oder als Sportpferd zu verkaufen. Damit ein Pferd, wie auch Hunde, funktionieren, werden sie bis heute seelisch, wie körperlich, gebrochen und misshandelt.

Die Ausbildungsmethoden sind die gleichen. Das Tier kann sich gegen die Gewalt des Menschen nicht wehren, gibt auf und “funktioniert”, selbst unter Schmerzen und Qualen. Eigentlich gibt es zu den armen dressierten Tieren im Zirkus keinen Unterschied. Pferde, oder Hunde, die sich gegen eine solche Behandlung wehren oder verweigern, haben keine Chance. Ihr Verhalten wird entweder als “schwieriger Charakter”,  ”nicht erzogen”,  ”verhaltensauffällig” oder “dominant” fehlinterpretiert. Die Tiere werden abgestempelt, vorverurteilt und meist lebenslang, wie bei Hunden, in Tierheimen weggesperrt. Pferde die nicht mehr “funktionieren” landen beim Abdecker oder als Nutztier beim Schlachter.


Was bei Pferden stattfindet, findet auch bei Hunden statt.  Nur ein Hund der auf Kommando “Sitz” macht, “Pfote” gibt, “perfekt” und stumm funktioniert, ist ein “guter” und braver Hund. Eigene Bedürfnisse oder eigener Wille und eigene Entscheidungen, sind unerwünscht. Von klein an werden auch Pferde mit allem Mitteln dressiert, um bei Wettbewerben mit übertrieben gebeugtem Kopf, so “am Zügel” zu gehen, dass das Pferd mit seinem Maul fast die Brust berührt. Diese Methode nennt man heute LDR, Rollkuhr, Hyperflexion, “of the neck” und ist eine „Überdehnung des Halses“, die bis heute vor allem von Dressurreitern, aber auch Springreitern eingesetzt wird, um die Pferde gefügig zu machen. Das eine solche Kopfhaltung für das Pferd absolut unnatürlich ist, nachdem das Pferd nur auf den Boden sehen kann und bewirkt, dass das Pferd absolut hilflos ist und hierdurch auch krank wird, interessiert nicht. Tätsächlich geht es den Menschen die solche und ähnlichen Methoden anwenden, darum, Macht gegenüber das Tier auszuleben, es zu unterdrücken, hilflos und gefügig zu machen. Sämtliche Stress-Symptome der Tiere, wie starkes Schwitzen, schäumendes Maul, starkes Kauen am Gebiss, eine Ohrenstellung die Bände spricht, aufgerissene Augen, werden ignoriert oder zu Gunsten des Menschen, fehlinterpretiert – wie dies bei Hunden ebenfalls stattfindet.


Auch die Rollkuhr oder LDR, als “Erziehungsmethode” zur Unterdrückung der Pferde, ist eine Deutsche Erfindung, die bereits von Paul Schockemöhle eingesetzt wurde und anschließend, wie meist, einfach kritiklos von anderen Reitern übernommen und kopiert wurde. Ähnlich verhält es sich bei der erfundenen Dominanz-Theorie bei Hunden, bei der es ebenfalls um Machtausübtung und Unterdrückung des Menschen gegenüber dem Hund geht.

Die Gewalt beim Reiten, der Umgang mit Pferden und die Haltung hat Folgen. Welche, beschreibt Philip Karl durch LDR sehr genau. Wenn das Genick des Pferdes permanent durch die Zügel, über das Gebiss im Maul des Pferdes, gebeugt  wird, der Kopf so weit herunter gezogen und die Halswirbelsäule mit den Bändern so überdehnt wird, entstehen Drüsenschwellungen und eine um 50 % verringerte Luftzufuhr durch die Atmung. Eine solche Haltung ist ungefähr so, wie wenn ein Mensch permanent den Kopf einknicken, das Kinn auf die Brust drücken und damit gehen und laufen müsste. Durch die eingeschränkte Luftzufuhr erhöht sich die Herzfrequenz. Hierdurch entsteht eine Dauerbelastung für Herz, Kreislauf und Halsbwirbelsäule des Pferdes, die ebenfalls krank macht. “Nachdem der Pferdesport sehr wettbewerbsorientiert ist, wird alles von den Hobby-, Freizeitreitern und sogar den Lehrern kritiklos von den Profis kopiert”, so Philip Karl.


Bei Hunden findet eine solche Dressur ebenfalls statt und ist ebenso unnatürlich, tierschutzrelevant und krank machend. Wenn Hunde bei Wettbewerben, in bestimmten Hundeschulen und sogenannten Begleithundeprüfungen, ausschließlich auf der linken Seite, stur in Kniehöhe neben ihren Besitzern herlaufen und zu diesem permanent hoch sehen müssen. Der Hund ist in dieser Position ebenfalls hilflos, nachdem er nur nach oben zu seinem Besitzer sehen muss und nichts anderes mehr sehen kann. Fehler oder Verweigerung werden sofort bestraft. Viele dieser Hunde erkranken durch diese konstante und einseitige Körperhaltung, ebenfalls an Hals, Wirbelsäule und anderen Skeletterkrankungen. Zeigt der Hund nicht dieses Verhalten, weil er sich dagegen wehrt oder dieses verweigert, gilt der  Hund entweder als “unerzogen” oder es gibt Punkteabzug. Auch hier steht in erster Linie der Ehrgeiz des Menschen, der sich mit einem Statussymbol profilieren möchte, in Fordergrund und nicht das seelische und körperliche wohlergehen des Hundes oder Pferdes.


Viele Pferde werden seelisch und körperlich krank. Die Ursachen hierfür: eine tierschutzrelevante Haltung, ohne Auslauf, Kontakt zu Artgenossen, Reit-, und Dressurmethoden die Tierquälerei sind, werden ignoriert und bewusst übersehen.


Ein Pferd kann bei guter Haltung 30 Jahre alt werden. Die Nutzungsdauer eines Pferdes, das ab dem 3. Lebensjahr ausgebildet und geritten werden kann, liegt durchschnittlich bei 5,5 Jahren. Dies bedeutet, dass ein Pferd in Deutschland eine durchschnittliche Lebenserwartung von 8- 9 Jahren hat.


Ob ein Pferd zum Schlachter kommt oder eingeschläfert wird und in der Tierkörperbeseitigung landet, muss der Pferdebesitzer entscheiden, wenn ein Fohlen geboren wird. Innerhalb von einem halben Jahr muss entschieden werden ob in den Equidenpass, der 2004 von der Europäischen Union erlassen wurde, eingetragen und in einem Chip einprogrammiert wird, ob das Pferd „für den menschlichen Verzehr geeignet“ sein soll oder nicht.


Eine solche Entscheidung hat für das Pferd und sein weiteres Leben dramatische Folgen. Wenn ein Pferd für den Schlachter bestimmt ist und krank wird, ist die tierärztliche Behandlung sehr eingeschränkt und das Pferd darf dann bestimmte Schmerzmittel und andere Medikamente nicht verabreicht bekommen, über die genau Buch geführt werden müssen. Wird das Pferd eingeschläfert, holt der Abdecker den Kadaver in einem LKW und bringt ihn in die Tierkörperverwertungsanstalt. Aus den Kadavern wird Fett und dem Rest Pflanzendünger gemacht. Nachdem inzwischen auf dem Fleischmarkt aber immer mehr Pferdefleisch angeboten wird, ist davon auszugehen, dass viele Pferde inzwischen als Nutztiere in der EU gehalten werden, um anschließend geschlachtet zu werden.


Laut Tierärztliche Vereinigung Dr. Andreas Fransky benötigen Pferde freie Bewegung wie sie es wollen, auch im entspannten Schritt und müssen die Möglichkeit haben, sich Wälzen oder Buckeln zu können. Dies seien Grundvoraussetzungen für das Wohlbefinden des Pferdes. Die Argumente die bei wertvollen Pferden meist angeführt werden, dass es zu gefährlich wäre die Pferde raus auf die Weide zu stellen und die Gefahr der Verletzung bestünde oder dass sie sich vertreten, seien nur vorgeschoben. Denn wenn Pferde regelmäßig auf die Weide kommen und Auslauf haben, würde gar nichts passieren. Ganz im Gegenteil, die Pferde seien viel gelassener und ruhiger bei der Arbeit und dies würde sich auch positiv auf die Leistung auswirken.

In den Leitlinien Tierschutz im Pferdesport  ist das Fixieren des Pferdekopfes eng vor dem Buggelenk (Rollkur/Hyperflexion) durch entsprechende Zügelhilfen bzw. mittels Hilfs- oder Korrekturzügel” verboten, die aber bis heute weiterhin als LDR stattfindet.


Bis heute gibt es in Deutschland unzählige Pferdeställe in denen Pferde gehalten werden, die nach dem bestehendem Tierschutzgesetz und den “Leitlinien Tierschutz im Pferdesport” oder nach den Voraussetzungen des FN-Siegel der deutschen Reiterlichen Vereinigung, sofort geschlossen werden müssten. Mitten in der Stadt werden Pferde ohne Koppel und Auslauf gehalten, stehen den ganzen Tag, mit Unterbrechung von ein paar Stunden, wenn sie vielleicht geritten werden,  im Stall. Privat- als auch Schulpferde, auf denen Schülern Reitunterricht gegeben wird. Aber keinen Unterricht darüber, dass ein Pferd ein höher entwickeltes intelligentes Säugetier ist, Schmerz empfindet, wie es aufgesattelt, gepflegt, gehalten werden muss und vor allem, wie empfindlich ein Pferdemaul ist.


Über die empfindlichste Stelle des Pferdes – gelang es dem Menschen Macht über das Pferd, das zwischen 300 und 600 kg wiegt, zu bekommen und dieses mit Hilfsmitteln, wie Kandarre, Zügeln, Hilfszügel, Sporen, Gerte, Ausbinder und LDR, zu unterdrücken, gefügig zu machen und zu foltern – sein empfindliches Maul.


Die meisten Pferde sind bis heute Sportgeräte, Statussymbole – passend zum Autofuhrpark und Gucci Tasche und werden ebenso entsorgt, wenn man sie nicht mehr braucht.


Über eine Million Pferde werden in Deutschland gehalten, vorrangig für die Freizeitreiterei, den Pferdesport und als Hobby und Freizeitgefährte.

 

Astrid Ebenhoch ist Journalistin und Gründerin von Hounds & People

 

http://www.houndsandpeople.com/de/magazin/wissen/pferden-ergeht-es-wie-hunden-und-nutztieren/

 


 

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Di

06

Mai

2014

Überwindung von Komfortzonen

Es fängt damit an, daß mich Menschen bitten Ihnen und Ihrem Pferd zu helfen, aber nicht präzise definieren können, um was es denn genau geht.

Mensch und Pferd zeigen dann ein wenig aus ihrer Arbeit. Häufig bitte ich darum, doch noch etwas mehr zu machen oder etwas schneller oder deutlicher und dynamischer ... und dann passiert es: Pferd springt völlig entsetzt und erbost umher und zeigt deutlich: das gefällt mir nicht.

 

Sehr viele Pferde explodieren geradezu, wenn von ihnen mehr verlangt wird, als sie gerade selber anbieten, dh., wenn die vom Pferd selbst gesetzte (und vom Menschen oft unterstützte) Komfortzone verlassen wird und die (psychische) Belastung steigt.

 

In den folgenden Überlegungen liegt die Analyse aber auch die Lösung dieses kommunikativen Problems zwischen Mensch und Pferd.


- Den individuellen Komfortzonen liegen Bewältigungskonzepte zugrunde, die  sich in der Lebenswirklichkeit, im Alltag bewährt haben.
- Es besteht bei den Pferden ein immenses Beharrungsvermögen auf dem Bewährten – als Fluchttiere haben sie damit eine erfolgreiche Überlebenstrategie entwickelt.
- Es gilt also, bisherige Bewältigungskonzepte aufzuweichen und belastungsfreudiger zu gestalten.
- Veränderungen von als bewährt wahrgenommenen Bewältigungskonzepten oder Bewältigungsstrategien machen per se Angst.
- Die Überwindung dieser Angst kann über Verlockung und oder Erfahrung erfolgen.
- Wir müssen den Pferden also Erfahrungen verschaffen, die ihr bisheriges Bewältigungskonzept erweitern. Erfahrungen verschaffen können wir über das Prinzip „Druck – nachgeben – positive Antwort“, also die operante Konditionierung. Unterstützend können dabei Verlockungen wirken (Lob, Leckerli u. Futter, absehbares Ende des Trainings usw.).
- Das Pferd ist kein kleiner Teufel, sondern ein hochenergetisches Wesen, welches Bedürfnisse ausdrückt. Es gilt die individuellen Stärken zu sehen und über die Förderung dieser eine positive Grundhaltung zu mentalen Belastungen zu schaffen.
- Strategie kann also sein, nicht das unerwünschte Verhalten des Pferdes direkt abstellen zu wollen, sondern besondere Fähigkeiten auszubauen und über die damit verbundenen positiven Erfahrungen die Belastungsfreude des Pferdes zu steigern.
- Hier ist die Wahrnehmung des Menschen gefragt, welches sind denn die tatsächlichen Stärken meines Pferdes? Nicht die, die der Mensch sich wünscht, sondern die tatsächlichen. 
- Zur Wahrnehmung gehört auch die Fähigkeit, die Situation aus der Perspektive des Pferdes zu sehen und damit Verständnis für den vermeintlichen Störenfried zu entwickeln.
- Basis für alles ist die positive Grundhaltung des Menschen, des Trainers. Um die aktuellen mentalen Belastungsgrenzen zu erweitern sind ein pferdegerechter Führungsstil, Verlässlichkeit und positive Konsequenz unerlässlich. Dazu kommen Geduld und Ausdauer, sowie die Fähigkeit des Menschen, trotz eigener hoher Anspannung schon den Ansatz von Kämpfen unbedingt zu vermeiden.
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Mi

05

Feb

2014

Gebisse ... Nachdenkliches dazu ...

Cavallo Artikel: "Maul halten"
von Ulrike Dobberthien aus der Cavallo 3/2001

Eine der rätselhaftesten Höhlen der Welt gähnt täglich dem Reiter entgegen: das Pferdemaul. Von ihm ist zwar in allen Reitlehren die Rede, aber nur wenige Forscher wissen was darin passiert.

Von außen sieht es ganz freundlich aus, ist überzogen mit samtigem Fell und weicher, nur zwei Millimeter feiner Haut. Es birgt Drüsen, die täglich bis zu 40 Liter Speichel produzieren, der nicht nur Mineralien wie Natriumkarbonat enthält, sondern auch Eiweiß, das zu weißem Schaum stockt, wenn das Pferd mit seiner Spucke schlabbert.

Im Maul versteckt sich eine Zunge, die zwischen einem und zwei Kilo wiegt, fast so lang ist wie der Schädel und die das dichteste Nervengeflecht außerhalb des Hirns besitzt, ein Organ, so weich und empfindlich wie die Lippen des Menschen.

Klappt das Maul auf, um ein Leckerlie zu schnappen oder der Trense Platz zu machen, gibt es lediglich einen Bruchteil seines Innenlebens preis; zum Beispiel das hauchdünne Zungenbändchen, das die Zunge mit dem Unterkiefer verbindet. "Das kann leicht reißen" , warnt der Münchner Pferdechirurg Professor Hartmut Gerhards und rät von der Unsitte ab, aus Jux an der Zunge zu führen oder festzuhalten.

Schließt sich das Maul wieder, beginnt das große Rätseln: Was passiert da im Verborgenen? Die Frage hat mehr als nur akademischen Wert. Schließlich dreht sich die gesamte Reiterei um die Tatsache, dass Pferde, von Ausnahmen abgesehen, ein Gebiss ins Maul bekommen.

Wie sie darauf reagieren, ist den meisten nach wie vor so unbekannt wie ein schwarzes Loch, auch wenn Dutzende scheinbar schlüssiger Theorien in allen Reitweisen das Gegenteil suggerieren.

Einer der seltenen Speläologen in Sachen Maul ist der emeritierte Professor Robert Cook, 71, von der Tufs University Massachusetts. Der international anerkannte Wissenschaftler forschte seit den 60er Jahren. Ihn interessieren die Wechselwirkungen zwischen Maul und Gebiss; und zwar bereits ehe ein Reiter am Zügel zieht.

Seine jüngste Studie schloss er vor einem Jahr ab. Über 3 Jahre untersuchte er 100 Pferde und Reiter aus allen Disziplinen, vom therapeutischen Reiten über Dressur bis zum Rennpferdetraining. Dabei mussten die Pferde, unter anderem, mit und ohne Gebiss über Laufbänder rennen, während ein Endoskop zeigte, was in ihren Mäulern geschah.

Cook sezierte Kehlköpfe, vermaß Maulhöhlen und spürte dem Zusammenhang zwischen Gebiss, Kopfhaltung und Luftröhre nach. Seine Erkenntnisse führten ihn auf einen kompromisslosen Kreuzzug gegen jedes Gebiss. Nachsichtigen Spott von Kollegen ("der missioniert") erträgt er ebenso standhaft wie Kritik an angeblicher Geschäftemacherei.

"Reitern wird immer wieder gesagt, sie sollen den Schlüssel zum Pferdemaul finden", sagt er. "Aber der beste Schlüssel ist gar kein Schlüssel". Sprich: kein Gebiss. Da wundert es kaum, dass Cook ein bisher ehernes Kriterium guten Reitens ablehnt: ein Pferd müsse auf dem Gebiss kauen, Schaum vorm Maul haben und mit dem Unterkiefer nachgeben.

Vorteile, findet Cook, hat alles nur für den Reiter, der dann nicht gegen ein steifes Genick kämpfen muss und das Tier leichter dirigieren kann. Wenn ein Pferd arbeitet, sollte es aber ein relativ trockenes Maul haben. "Es kann entweder laufen oder fressen. Beides geht aus anatomischen Gründen nicht", erklärt Cook. "Dieser ganze Sabber ist für das Pferd ein Ärgernis, wenn es tief und viel Atmen muss." Jeder Versuch, den Speichel zu schlucken, birgt für das Pferd eine Gefahr, plötzlich keine Luft mehr zu bekommen; eine Erklärung für den angestrengten Ausdruck von Dressurpferden, die mit nassen Fell, schaumigen Maul und aufgerissenen Nüstern scheinbar feurig schnaubend, in Wahrheit aber mühsam atmend Lektionen absolvieren.

Ob geatmet oder geschluckt wird, entscheiden Reflexe. Solange das Maul geschlossen ist, atmet das Pferd. Öffnet es das Maul, strömt Luft in die Höhle. Dies, verbunden mit Berührungen der Zunge, löst die Reflexkette "fressen und schlucken" aus.

Dabei hebt sich der hintere Teil des Gaumens (weicher Gaumen). Das rund 13 cm lange Gaumensegel schaltet im Rachen, wie eine Weiche, den Weg zur Speiseröhre frei. Gleichzeitig schließt der Kehldeckel die Luftröhre, der Weg zur Speiseröhre wird frei.

" Wird einem Pferd ein Gebiss ins Maul gelegt, bekommt es das Signal "Fressen", sagt Cook. Zusammen mit den Bewegungen von Zunge, Kiefer und Lippen fließt reflektorisch Speichel. Die Reflexe gehören zum Bereich Verdauung und werden vom parasympathischen Nervensystem gesteuert. Speichel am Maul ist nach Cook ein untrügliches Zeichen, dass der Parasympathikus aktiviert ist. Damit der Körper alle Kraft auf das lebenswichtige Futter konzentriert, drosselt dieser Teil des vegetativen Nervensystems Herzschlag und Atmung, legt Muskeln lahm und bremst das Hirn - übrigens der Grund, warum Menschen nach dem Essen der Drang zum Nickerchen befällt.

Genau das ist beim Reiten unerwünscht. Schließlich soll das Pferd nicht schläfrig verdauen, sondern sich gefälligst bewegen; es soll rennen, springen, traversieren. Das funktioniert nur, wenn Kampf- und Fluchtreflex Herz und Lunge, Muskeln und Hirn auf Touren bringen. Die aber laufen über das sympathische Nervensystem, Gegenspieler des Parasympathikus.

"Ein Pferd in schneller Bewegung hat ein trockenes Maul. Die Zunge liegt ruhig hinter den Schneidezähnen, der Unterkiefer bewegt sich nicht, der Schluckreflex ist abgeschaltet, das Gaumensegel liegt flach am Boden des Mauls ", zählt Cook auf.

Trägt das Pferd dagegen eine Trense oder Kandare, wird das Maul durch die zusätzlichen Fressreflexe feucht. Das Pferd will schlucken, das Gaumensegel hebt sich, das Pferd spielt mit der Zunge, bewegt den Unterkiefer.

"Durch das Gebiss sind die Pferde beim Reiten neurologisch durch den Wind" konstatiert Cook. Weil sie trotzdem versuchen, sowohl dem Reiter, als auch den widersprüchlichen Befehlen ihres Nervensystems zu gehorchen, bekommen sie Probleme.

Jede Bewegung der Zunge und des Unterkiefers hebt den hinteren Gaumen an und stört die Atmung. Sowie ein Gebiss im Maul ist, wird die Zunge aktiv, selbst wenn der Reiter es nicht spürt. Verschiebt sich der hintere Gaumen bei hoher Geschwindigkeit, klappt gar das Gaumensegel hoch, sind die Folgen verheerend. Schließlich pfeift hier bei Belastung ein Sog von 75 Litern pro Sekunde in die Lungen, verglichen mit vier Litern beim ruhenden Pferd. Das Tier verschluckt sich am eigenen Gaumensegel und bekommt keine Luft mehr. "Das ist der Grund, warum Trainer von Galoppern oder Trabern ihren Pferden die Zunge am Unterkiefer festbinden", bestätigt Hans Geyer von Veterinäranatomischen Institut der Universität Zürich. "Sie wollen nach Möglichkeit jede Bewegung der Zunge und damit des weichen Gaumens verhindern."

Eine Mär dagegen ist, dass das Pferd vor Schmerzen unkontrollierbar wird und durchgeht, wenn es die Zunge über das Gebiss legt. "Natürlich hört das Pferd dann nicht mehr aufmerksam auf den Reiter ", sagt Cook. "Aber das alles passiert nur, weil es mit den Reflexen kämpft oder die Schmerzen auf der Zunge lindern will, die durch den Zug am Gebiss entstehen."

Das bereitet besonders im Galopp Probleme, weil in dieser Gangart die Atmung an die Bewegung gekoppelt ist. Bei jedem Galoppsprung macht das Pferd einen Atemzug: Es atmet ein, wenn die Hinterbeine am Boden und die Vorderbeine in der Luft sind; es atmet aus, wenn die Vorderbeine Last tragen und die Hinterbeine in der Luft schweben.

Was den Atemrhythmus stört, stört auch den Rhythmus des Galopps. Taktfehler, Steifheit und Stolpern sind die Folge-Probleme, die bisher vor allem auf den Reiter zurückgeführt wurden.

Auch sonst gibt es reichlich Ärger: Zähneknirschen, ständig mit dem Gebiss spielen, gegen das Gebiss gehen, hart im Maul sein und Kopfschlagen, um nur einige zu nennen, haben alle mit dem Grundübel Gebiss zu tun, wenn man die bahnbrechende Erkenntnis der amerikanischen Wissenschaftler berücksichtigt.

"Diese schweren Probleme werden oft mit Überempfindlichkeitsverhalten der jeweiligen Tiere oder mit fehlerhafter Gebiss-Anwendung durch den Reiter in Verbindung gebracht", kritisiert Cook, "nie jedoch damit, dass die Methode, über das Gebiss einzuwirken, grundsätzlich falsch ist."

Immerhin stammen die meisten Theorien von Reitern und nicht von Tierärzten oder Anatomen. Reiter setzen sich zwar ausführlich mit dem Einfluss grob zerrender oder behutsamen dirigierender Hände, dem Ausbildungsstand des Pferdes und den Formen von Trensen und Kandaren auseinander. Aber ob und wie ein Gebiss in die natürlichen Reflexe des Mauls eingreift, können sie, so viel Gefühl und Erfahrung sie auch haben, nicht beurteilen.

Dazu kommt, dass Pferde kooperativ bis zum eigenen Ruin sind. Sie arbeiten fleißig mit dem Gebiss im Maul, egal ob in der Hohen Schule oder beim Distanzreiten und bringen Höchstleistungen.

Diese Gutmütigkeit führt dazu, dass Pferde schneller krank werden. Wissenschaftler fanden immerhin 14 Probleme, die bisher nicht mit dem Gebiss in Verbindung gebracht wurden. Demnach führen Gebisse zu störenden Reaktionen des Verdauungssystems während der Belastung, zu atembeengender Genickwinkelung und kontraproduktiven Bewegungen von Zunge, Gaumensegel und Kehlkopf. Sie verursachen Luftröhrendeformationen und Kehlkopfpfeifen, stören die Kopplung von Atmung und Bewegung und somit die Balance und natürliche Anmut des Pferdes.

Gebisse führen zu vorzeitiger Ermüdung, entzündlichen Atemwegserkrankung, und sie können bei Rennpferden Lungenbluten auslösen. Sogar headshaking kann durch das Gebiss verursacht werden.

"Gebisse sind kontraindiziert , kontraproduktiv und grausam", folgert Cook und belebt damit ein Debatte, die längst beendet schien: Gebisse contra gebisslose Zäumungen. Neu ist, dass dabei bewusst Stellung gegen Gebiss-Befürworter bezogen wird, die betonen, ein Gebiss sei nur so scharf wie die Hand. Und das ist die Mehrzahl der Reiter, egal aus welcher Reitweise sie kommen, egal wie gut sie reiten. Schließlich bestand bislang der Konsens, dass ein Gebiss im Maul nicht grundsätzlich ein Problem ist. "Eine Form an sich fügt dem Pferd keine Schmerzen zu", sagt August, Vertriebsleiter des Gebissherstellers Sprenger. "Im Gegenteil: Ein Gebiss ist für die Pferde, wie für uns ein Kaugummi."

Schon das reicht laut den US-Studien allerdings, um Pferden das Reiten zu vergällen. Beim Untersuchen toter Schädel aller Pferderassen fand man nämlich im geschlossenen Maul weder Luft noch Platz für ein Gebiss. Hohlräume gibt es keine; die Zunge liegt satt am Gaumen.

Das deckt sich mit bisher unveröffentlichen Ergebnissen deutscher Wissenschaftler. An der Tierärztlichen Hochschule Hannover müht sich die Arbeitsgruppe "Funktionelle Anatomie" unter Leitung von Professor Hagen Gasse, auf Anregung von Sprenger, Pferdemäuler mit und ohne Gebiss exakt zu vermessen. Dabei zeichnet sich ab, dass im Maul viel weniger Platz ist, als bisher angenommen, und dass Gebisse auf die Zunge und nicht auf die Laden wirken.

Genauere Ergebnisse werden allerdings gehütet wie Kronjuwelen - schließlich müssen in Deutschland alle wissenschaftlichen Arbeiten, die zu einer Promotion oder gar zu einer Habilitation führen sollen, zuerst von den beteiligten Forschern veröffentlich werden. Und das dauert.

" Wir wissen aber schon länger" so Augsten, "dass die Pferdemäuler von Warmblütern immer kleiner werden, weil die Köpfe edler werden." Darauf reagierte man, indem man Trensen filigraner baute. Hatte früher das Sprenger-Durchschnittsgebiss eine Stärke von 23 mm, sind es heute nur noch 18 mm. "Ein zu dickes Gebiss bereitet einem Pferd mit kleinem Maul ganz schön Probleme", so Augsten.

Diese deutsche Erkenntnis geht Forschern in anderen Teilen der Welt allerdings nicht weit genug. Sie fordern Mäuler, in denen gar kein Metall klimpert, weil nach ihrer Ansicht jedes Gebiss dem Maul schadet. "Das mag zwar für Rennpferde gelten", hält Augsten gegen, "aber ein Dressurpferd braucht ein Gebiss, um Anlehnung zu bekommen.

Rückendeckung erhält der Gebisshersteller dabei von der offiziellen Reitlehre. Anlehnung ist nach den FN-Richtlinien für Reiten und Fahren nur mit einem Gebiss möglich und daher eins der Ziele auf der Skala der Ausbildung - allerdings erst nach Takt, Losgelassenheit und Schwung.

Das Anlehnung ohne Gebiss möglich ist, wird verneint, daher müssen Dressurpferde nach der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) selbst in der höchsten Kategorie, der Kategorie A (Prüfungen von überregionaler Bedeutung mit Geldpreisen von mindestens 1000 DM) grundsätzlich mit Gebiss starten, während Springpferden in Kategorie A die gebisslose Variante erlaubt ist.

Da drängt sich ein Verdacht auf, der zwar nicht neu ist, aber dafür glänzend passt: Ein Pferd korrekt ohne Gebiss auszubilden - und nicht nur latschen zu lassen - erfordert wesentlich mehr Geschick, als eine Ausbildung mit Gebiss. Solche Pferde waren und sind die Visitenkarten von Könnern, seien es die Kappzaum-Tänzer Europas oder Hackamore-Pferde altkalifornischer Ausbilder. Diese Tiere behalten beim Reiten nicht nur einen kühlen Kopf, sondern auch ein trockenes Maul, laut Cook, das Zeichen für Zufriedenheit.

Doch solche Empfehlungen werden in Deutschland zur Zeit noch ignoriert.

"Cook ist provokativ und stößt hierzulande auf verschlossene Türen", urteilt Tierarzt Dr. Hans Dieter Lauk, einer der drei Herausgeber der Veterinär-Fach-Zeitschrift Pferdeheilkunde. "Denken Sie doch an die Konsequenzen: Das würde die Reitlehre revolutionieren".

Eine solche Revolution lässt man sich aber nicht gerne von Forschern aus Übersee aufzwingen. Vorerst schäumen Pferde also weiter, während Experten auf die Ergebnisse aus Hannover warten.

 

 

 

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So

27

Mai

2012

Dank für ein Geschenk

Oft wird einem ja nicht was geschenkt - einfach so ... Aber nun hat mir mein Pferd mal wieder ein Geschenk gemacht: er hat etwas gut gemacht ohne das wir es trainiert haben, sozusagen von selber. Westernpattern reiten völlig ohne Gedöns am Kopf - nur mit Halsring. Und es hat auf Anhieb geklappt, inklusive Seitengänge, Stopps etc. Wie kann das sein, wo man sich doch sonst so vieles so schwer erarbeiten muss. Es ist die kontinuierliche und geduldige Vorarbeit, das Eingehen auf die Pferdepersönlichkeit, der Respekt dem anderen Lebewesen gegenüber usw. Alles das zahlt sich aus - und zwar dann, wenn man es nicht verlangt und nicht damit rechnet und sich deshalb doppelt freut. Lieber Cheyenne, ich danke Dir für jedes Deiner Geschenke!

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Fr

30

Dez

2011

Zeit für einander

Alle, zumindest die meisten von uns Reitern wollen eins haben – ein Verlaßpferd. Aber ... was ist das eigentlich: ein Verlaßpferd? Ein Pferd, dem ich mich anvertrauen kann, bei und auf dem ich mich sicher fühle und angstfrei, in allen Situationen. Nun ist ein Pferd ein Wesen mit eigenen Regungen und Bedürfnissen, welches durchaus in bestimmten Situationen anderer Meinung sein kann als ich. Es ist ein Fluchtier, im Zweifelsfall seinen Instinkten folgend um sein Leben zu retten. Und so einem Wesen will ich mich anvertrauen ...?

Da ist es schon wieder, das Wort Vertrauen. Vertrauen können muß ich meinem Pferd – es mir aber auch! Vertrauen zueinander schaffen wir dadurch, dass wir einander Zeit schenken. Zeit zu verstehen, zu fühlen, zu erfahren, zu lernen was der andere mag, was er fürchtet, wie er reagiert. Ich will mein Pferd kennen, ich will es einschätzen können, ihm helfen und es beschützen, damit es seinen Fluchtinstinkt zu meinen Gunsten hinten an stellt. Umgekehrt soll mein Pferd wissen wie ich reagiere – ich will einschätzbar sein. Eine gute Führungskraft ist für die Mitarbeiter einschätzbar und damit verläßlich. So baut sich gegenseitiges Vertrauen auf.

 

All das braucht Zeit miteinander. Sein Pferd selber erziehen bedeutet viel Zeit miteinander verbringen. Sein Pferd erziehen lassen, ausbilden lassen und bereiten zu lassen verhindert meistens diese notwendige Nähe, mit dem häufigen Ergebnis eines gut trainierten Pferdes, zu dem der Reiter kein wirkliches Verhältnis, kein Vertrauen hat – eben kein Verlaßpferd.

 

Also Leute, gönnt Euch und Eurem Pferd soviel Zeit wie möglich miteinander!

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Di

01

Feb

2011

eilig, schnell, zielorientiert - wir brauchen mehr Zeit

Nun mach ich das mit den Pferden schon so lange - und was hab ich gelernt?  Vor allem Zeit haben. Selber Zeit investieren, dem Pferd Zeit schenken, sozusagen openend-learning.

Heute fiel es mir wiedder mal auf: was wird zu Problemchen oder grundsätzlichen Fragen erwartet? Eine einfache, unkomplizierte Antwort: drehe hier und zupfe da und dann ist gut. Sie haben keine Zeit, ihr Problem zu analysieren, es zu verstehen, eine Strategie entwickeln - ganz zu schweigen davon, diese dann auch "in Ruhe" umzusetzen, bzw zu modifizieren.

 

"Ich mache mit meinem Pferd (nur) das, was ich für Turniere brauche". Mhmm, was ist denn das? Gangarten, Manöver usw? Und wie lerne ich die, wie lernt mein Pferd die? Über gute Basisarbeit ! Da ist sie wieder, die Zeit.  Basis ist langweilig, wie Grundschule, bloß nicht so lange damit aufhalten. Ein toller Stop soll es sein und zwar möglichst schnell. Und mein Pferd muß schon mit 3 Jahren zum Turnier. Also muß es schnell lernen. Alles schnell schnell.

 

Warum haben sie nur so eilig? Wahrscheinlich weil unsere Zeit so auf Tempo geprägt ist. Egal - mit unseren Pferden funktioniert das anders: alles was wir von unserer eigenen, wertvollen, persönlichen Zeit in sie investieren, bekommen wir mit Zinseszins von Ihnen zurück. Dann schenken sie uns ihre Partnerschaft, ihre Mitarbeit und ihr Vertrauen - und dann geht alles wirklich schnell.

 

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Sa

20

Nov

2010

Super-Coach

Da laufen Leute durch die kalte und trübe Reithalle, die nichts mit Pferden am Hut haben, die keine Ahnung von und keine Beziehung zu Pferden haben - es sind Business-Coaches! Was wollen die? Sich mal Pferdecoaching zeigen lassen? Natürlich nicht! Sie wollen das Pferd einsetzen, als Werkzeug, oder Neudeutsch als "Tool". Es soll den Businesskunden zeigen, wie's um deren wirkliche Führungsqualität steht. Business-Coaching mit Pferden!

 

Der gestandene Abteilungsleiter, der schon ganze Hundertschaften von Mitarbeitern durch den Arbeitsalltag geführt hat, der lernt nun, das kleine Pferdchen da vor ihm schert sich nicht die Bohne um seine Führungsbemühungen, es bleibt einfach stehen. Oder die nette junge Frau, adrett, gebildet, frisch von der Uni und neugierig auf die Welt, ausgerechnet der folgt das grosse schwere Kaltblut  - boa, das ist Führung! Wirklich? Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Die aktuelle Disposition der vor dem Pferdchen stehen Person, die ausgestrahlte Ruhe oder das Herzklopfen vor Aufregung, die Sicherheit des Menschen oder eben seine situationsbedingte Unsicherheit - das sieht das Pferd. Und folgt oder eben nicht. Können wir daraus Rückschlüsse auf die Führungskompetenz des Menschen ziehen? Meines Erachtens: nein! wir missverstehen die Wesen, die nichts als ehrlich zu uns sind. sie sagen uns, wie es jetzt in diesem Moment um uns bestellt ist. Und zwar aus ihrer Sicht und ihrer aktuellen Disposition. Super-Analytiker sind sie nicht. Und als Medium taugen sie auch nicht. Sie sind die Protagonisten eines Hype's.

 

Unsere Welt der Führungsmodelle ist abstrakt, akademisch und extrem künstlich. Pferde sind streng hierachisch organisiert, die Führung erfolgt extrem autoritär - da steht heute im Unternehmen gottseidank jeder Betriebsrat gegen. Na ja... leiden werden die grossen und liebenswerten Vierbeiner sicherlich nicht unter den lustigen Führungs- und Folgeaufforderungen, vielleicht sind die meist ernst schauenden Menschen auch eine Abwechslung. Insofern: so what ...  

 

Natürlich hat dieses Coaching-Format auch einen guten Zweck: den Menschen mit einem Wesen zu konfrontieren, das seine Seele anspricht und sie zum klingen bringt - nutzt diese ganz persönliche Chance!  Die Pferde meinen es gut mit uns!

 

 

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Di

16

Nov

2010

Am Anfang war der Round Pen

Sonntag abend, ich bin müde – müde von 3 Seminartagen mit Heinz Welz. Thema: Round Pen – Arbeit  für angehende Tierpsychologen. Grundkurs Round Pen – Gott wie lange ist das her?  Fast zehn Jahre. Und inzwischen alles schon mehrere hundert mal angewandt. Also kalter Kaffee? Schnee von gestern? Keineswegs – alles neu! Klar, die Techniken sind bekannt, die möglichen Reaktionen der Pferde auch. Aber die Perspektive war eine andere, die Details sind jetzt wichtig. Wir werden im positiven Sinne kleinlich. Die psychologische Seite dieser Arbeit ist in den Vordergrund getreten. Welchen Einfluss haben unsere bewussten und unbewussten Gedanken auf uns? Was spielt sich in uns ab? Was spürt das Pferd davon?  Überzeugungen, Lebensein-stellungen - wie beeinflussen sie uns und unsere Pferdearbeit? Usw, usw usw. Also,  der „kalte Kaffee“ Round Pen war nicht aufgewärmt – der war neu und frisch und spannend!

 

Wir werden nicht besser, indem wir unser Pferde Jahr ein Jahr aus mit immer denselben reiterlichen Kochrezepten trainieren bzw quälen. Wir werden besser, indem wir unseren aktuellen Wissenstand in Bescheidenheit relativieren und jederzeit offen sind, unsere Denkkonzepte zu verändern. Reflektieren und in sich gehen, immer wieder mit anderen austauschen, Neues aufnehmen, Bewährtes in Frage stellen, in die Details abtauchen und dabei besser werden. Und immer mal wieder an den Anfang zurückkehren!

 

Und übrigens: es gibt sie noch, die Menschen, die nicht in Reitweisen und Turnieren denken, sondern das Pferd als wunderbares Wesen im Fokus haben. Bei Heinz trifft man sie.

 

Mehr zu Heinz Welz:

www.heinzwelz.de

 

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Di

31

Aug

2010

ein Tag

Am Morgen Angst! Chips ist in der Klinik wegen einer Routineoperation. Aber es ist keine Routine, ein Anruf, es gibt Komplikationen, Not-OP und die nächsten Stunden Angst. Wieder diese Angst um ein Pferdeleben. Wie damals um Mito: ein Anruf vom Stall und alles war anders. Vor Stunden nach einem schönen Ausflug auf den Paddock gebracht, nun Beinbruch. Noch ein paar Stunden Angst und Hoffnung, dann die Gewissheit: irreparabel - Ende.

Und nun Chips. Aber es ist noch mal gutgegangen und Chips wird wieder gesund.

Die Angst ist weg.

 

Spätnachmittag: 24 Grad, Sonne, zwei Pferde im ruhigen Galopp über abgeerntete Felder dem Abend entgegen – was kann schöner sein?

 

 

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Mi

07

Jul

2010

nun stellt Euch bloß nicht so an ...

Die Pferde, diese edlen Tiere, die Freunde des Menschen. Son Quatsch: Sportgeräte sind das. Kaputt? Austauschen! Und nicht vergessen:  vorher gut versichern!

Pferde sind teuer, Pferdesport noch teurer. Da kann man es sich nicht leisten, dass das eigene Pferd an Wert verliert, nur weil es ein bischen doll krank ist. Soll keiner merken, also ein paar Pillen rein und schon gehts dem Pferdl gut - jedenfalls solange, wie andere zukucken.

Als die Meldung kam, dass nach den Springreitern nun auch die Dressurreiter Doping betreiben, war das nur die Bestätigung einer Ahnung, dass diese Herrschaften nicht geschickt genug, also dumm sind. Die große Isabell Werth, Idol vieler Dressurfans, ist erwischt worden, wird nun des Dopings bezichtigt. Dumm gelaufen! Das ist wie mit dem zu schnell fahren: das tun ganz viele - man darf sich halt nur nicht erwischen lassen.

 

Aber mal im Ernst:  wann fangen die Pferdemenschen, die Reiter, die ordentlich und pferdegerecht mit ihren Vierbeinern umgehen, sie nicht gnadenlos ausbeuten und verheizen, wann fangen wir an, solchen "Sport" und die verantwortlichen Reiter zu verachten? Wann ?

 

Lesenswert dazu auf ZEIT-Online:

www.zeit.de/2009/28/WOS-Interview-Blobel

 

 

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So

14

Mär

2010

Alles gut ... weiter so!

Zweimal jährlich lassen wir unsere Pferde Cheyenne und Chips durchchecken. Vor allem Zähne und Gebäude sind wichtig. Hier schleichen sich Problemchen ein, die, wenn  sie unbeachtet bleiben, über kurz oder lang große Probleme werden. Und so war Marta Lewandowski wieder mal bei uns und hat als Tierärztin, vor allem aber als Chiropraktikerin die Pferde angeschaut und "durchgefühlt". Alles was sie machte hat sie kommentiert und einige Veränderungen waren sofort sichtbar. Hier und da eine kleine feine Optimierung, sonst nichts. So war das Schönste an ihrem Besuch, das beide Pferde  insgesamt tip-top beieinander sind.

 

Natürlich freuen wir uns für unsere Pferde - wir sind aber auch selber stolz! Wir haben bei der vielen Arbeit mit den Pferden unser allerwichtigstes Ziel erreicht: die beiden gesund zu halten.

 

Was sagen wir uns also?  weiter so :-)

 

 

Mehr zu Marta Lewandowski und Ihrer Arbeit:

Tierärztliche Praxis für Veterinär-Chiropraktik

    

 

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Sa

13

Mär

2010

Starke Typen ...

wir wissen wohl inzwischen alle, dass nicht nur Menschen sondern auch Pferde so etwas wie Charakter haben (oder auch nicht). Trotz Studium der Pferdepsychologie, der Evolution, des Lernverhaltens usw, war es mir nie ernsthaft in den Sinn gekommen, meine Pferde einfach als Persönlichkeiten, als Typen zu sehen.

 

Was passiert eigentlich, wenn der Sensible den Dominanten trifft, der Verspielte den Paniker, der Paniker den Dominanten usw. Oder wie sieht es gar aus, wenn sich zwei Dominante gegenüberstehen? Oder ein panischer Mensch einem verspielten und dominanten Pferd ...

 

Eigentlich ja alles nichts wirklich Neues. Es wurde bislang nur nicht genug berücksichtigt. Aber viele unserer Umgangsprobleme zwischen Mensch und Pferd beruhen nun mal auf der Begegnung verschiedener Persönlichkeitstypen. Vor allem zeigt mir der Vergleich, dass wir unsere eigenen Persönlichkeitsmerkmale und die unseres Pferdes (er)kennen und berücksichtigen sollten, bei allem, was wir von uns und unserem Partner erwarten.

 

Ich werde es jedenfalls tun - es ist jetzt Bestandteil meiner Arbeit.

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So

03

Jan

2010

Achtung Schnee ...!

Ja, Winter haben wir nun ... Schnee, Eis, Matsch. Menschen finden es in unseren Breitengraden mehr oder weniger lästig mit Winter konfrontiert zu werden ... die Pferde auch? Ihr Winterfell haben sie ja, jedenfalls wenn man sie läßt. Und wenn’s nicht zu doll weht und dabei noch nass ist, sind die Pferdchen recht fröhlich draußen. Aber da sind ja noch die Besitzer ... mit ihren Bedenken. Bedenken vor Rutschgefahr, vor aufgestollten Hufen, vor Matsch auf dem Paddock, vor zu hartem Boden, vor zu rutschigem Boden, vor Nässe und Kälte, vor zerrissenen Decken etc. Konsequenz? Pferde bleiben 24 Stunden in der Box. Da sind sie sicher.

 

Jede Überlegung zur artgerechten Haltung oder gar die Fähigkeit, die Bedürfnisse aus Sicht der Pferde zu sehen (Luft, Bewegung, Sozialkontakte usw.) wird offenbar ausgeschaltet. Und wenn Mensch kalt ist, dann macht er die Stalltür eben zu, ohne Rücksicht auf die Atemwege der Pferde. Schön ist dann die Begründung der eingefrorenen Wasserleitungen. Tja, dann müsst ihr eben Wasser schleppen, wenn die Tränken unzulänglich konstruiert wurden (Winter im Stall ist ja eigentlich nichts Neues ...), immer noch besser, als geschlossene Ställe, die nach kurzer Zeit schon recht übel riechen.

 

Und dann, dann werden sie in der Halle umhergeführt oder „ablongiert“. Frei laufen geht ja auch nicht, weil ihr Bewegungsbedürfnis sie dann umherspringen lässt – und das ist auch wieder gefährlich. Natürlich ist Vor- und Umsicht notwendig und sinnvoll (bei Glatteis auf dem Hof haben Pferde dort nichts zu suchen) – aber, liebe Leute, wozu habt Ihr Pferde? Überwindet Eure Angst und seht die Situation aus Sicht des Euch anvertrauten Lebewesen Pferd, es geht um SEINE Bedürfnisse, nicht um Eure! Mit etwas Phantasie lässt sich auch der härteste Winter pferdegerecht überstehen.

 

Euch allen, Menschen und Pferden

ein gesundes, glückliches und entspanntes 2010 !

 

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Sa

06

Dez

2008

eine homepage für mich !

Die Jimdo-Page ist zur eigenen Homepage mutiert.

Aus dem langen Titel

www.horseman-coaching.jimdo.com

ist

www.go-horseman.de

geworden. Ist das jetzt professioneller?  Ja, wahrscheinlich. Egal, sieht jedenfalls gut aus.

 

Und der Name, was bedeutet der?  www.go-Horseman.de soll meinen Wunsch wiedergeben, möglichst viele Pferdeleute zu Horseman zu machen, bzw ihren Weg dahin zu unterstützen - zu coachen.

 

Nach wie vor werde ich die Page weiter wachsen lassen. Langsam, nur wenn's wirklich was wichtiges neues gibt. Es gibt Infos zu meiner Arbeit und meinen Erfahrungen, aber auch gute Bücher- und Linktips und die eine oder andere tiefsinnige Überlegung rund ums Pferd. So soll ein kleiner Infopool rund ums Horseman-Coaching entstehen.

 

Es müssen nicht alle Inhalte von mir stammen. Ich übernehme auch gerne Gutes und Wertvolles. Also schickt mir Eure Inhalte, Anregungen usw.

 

 

 

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